Vertrocknete Blätter, kahle Kronen, abgestorbene Äste: Immer häufiger sind die Folgen von Hitze und Trockenheit direkt vor unserer Haustür zu sehen. Besonders junge Straßenbäume geraten schnell an ihre Grenzen. Wenn über Wochen kaum Regen fällt und die Temperaturen steigen, reicht das Wasser im Boden vielerorts nicht mehr aus.
Das ist nicht nur ein trauriger Anblick. Jeder Baum, den wir verlieren, fehlt uns über Jahrzehnte. Bäume spenden Schatten, kühlen aufgeheizte Straßen und Plätze, filtern Schadstoffe aus der Luft und bieten Vögeln, Insekten und anderen Tieren Nahrung und Lebensraum. Gerade in dicht bebauten Städten und Gemeinden sind gesunde Bäume deshalb ein unverzichtbarer Teil der Klimaanpassung.
Neue Bäume pflanzen – und die vorhandenen verdursten lassen?
Kommunen schmücken sich gerne mit neuen Baumpflanzungen und Begrünungsprogrammen. Doch eine Pflanzung allein macht noch keine grüne Stadt. Entscheidend ist, ob die Bäume auch die nächsten Jahre und Jahrzehnte überleben.
Gerade junge Bäume sind in längeren Trockenperioden auf eine zuverlässige Wasserversorgung angewiesen. Wird erst reagiert, wenn die Blätter bereits vertrocknen oder die Krone deutliche Schäden zeigt, kann es zu spät sein.
Deshalb fragen wir: Wo sind die Gießpläne für unsere Bäume?
Es braucht klare Konzepte statt kurzfristiger Notmaßnahmen. Kommunen müssen wissen, welche Bäume besonders gefährdet sind, wann sie Wasser benötigen und wie ihre Versorgung auch während lang anhaltender Trockenperioden sichergestellt werden kann. Dafür müssen ausreichend Personal, Fahrzeuge, Wasser und finanzielle Mittel eingeplant werden.
Klimaanpassung beginnt vor der eigenen Haustür
Dabei geht es um mehr als Gießen. Stadtbäume brauchen ausreichend große und möglichst unversiegelte Wurzelräume, Böden, die Niederschläge aufnehmen und speichern können, sowie Standorte, an denen Regenwasser nicht möglichst schnell in der Kanalisation verschwindet. Das Prinzip der Schwammstadt muss endlich konsequent in die kommunale Planung einfließen.
Natürlich können auch Bürgerinnen und Bürger einen Baum vor ihrer Haustür unterstützen. Dieses Engagement ist wertvoll – es darf aber nicht zum Ersatz für eine verlässliche kommunale Grünpflege werden. Öffentliche Bäume sind öffentliche Infrastruktur und müssen entsprechend behandelt werden.
Wir fordern von den Kommunen:
- verbindliche Gieß- und Pflegepläne für besonders gefährdete Bäume,
- regelmäßige Kontrollen während Hitze- und Trockenperioden,
- ausreichend Personal und finanzielle Mittel für die Baumpflege,
- bessere Bedingungen für bestehende Bäume statt eines einseitigen Fokus auf Neupflanzungen,
- größere, unversiegelte Baumscheiben und ausreichend dimensionierte Wurzelräume,
- eine konsequente Nutzung und Speicherung von Regenwasser,
- mehr Transparenz darüber, wie Kommunen ihren Baumbestand auf zunehmende Hitze und Trockenheit vorbereiten.
Bäume zu pflanzen ist ein Versprechen für die Zukunft. Dieses Versprechen endet nicht mit dem Spatenstich.
Wenn wir wollen, dass unsere Städte und Gemeinden auch in Zukunft lebenswert bleiben, müssen wir die Bäume schützen, die heute schon dort stehen. Die nächste Trockenperiode kommt bestimmt. Darauf müssen die Kommunen vorbereitet sein – bevor die nächsten Bäume vertrocknen.