BUND-Kreisgruppe Rheinisch-Bergischer Kreis
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Welttierschutztag

05. Oktober 2026 | Tiere & Pflanzen

Tierwohl, Umwelt und Ernährung

Hintergründe, Ursprung und Zielsetzungen

Der Welttierschutztag findet jedes Jahr am 4. Oktober statt und ist gleichzeitig Gedenktag für den Heiligen Franz von Assisi. Er galt als Schutzpatron der Tiere und lehrte den Respekt von allen Mitgeschöpfen.

Der Tag wurde im Jahr 1931 auf einem internationalen Tierschutzkongress in Florenz beschlossen. Es sollte mit diesem Tag auf das Leid von Tieren durch den Menschen aufmerksam gemacht werden und setzt sich für Tierrechte, artgerechte Haltung und den Schutz bedrohter Arten ein.

Tierheime, Tierschutzorganisationen und Tierschutz-Initiativen starten diesbezügliche Veranstaltungen, Infotage und Spendenaktionen.

Im Rheinisch-Bergischen Kreis setzen sich insbesondere der BUND, der NABU und der Rheinisch-Bergische Naturschutzverein (RBN) für Tierwohl und Artenschutz ein. Im Burscheid gibt es u.a. die Tiertafel „Pfotentisch“.

 

Vom Wesen der Tiere

Peter Wohlleben beschreibt in seinem Buch „Das Seelenleben der Tiere“ eindringlich Liebe, Trauer und Mitgefühl und die Gefühlswelt der Tiere, die uns näher sind, als viele glauben. Richard David Precht stellt sich in seinem Spiegel-Bestseller „TIERE DENKEN“ die Frage woher wir das Recht nehmen, Tiere zu benutzen und Ihnen Leid zuzufügen und vertritt die Meinung, dass wir angesichts von Massentierhaltung, Tierversuchen und einem Artensterben ungekannten Ausmaßes vor der drängenden Herausforderung stehen, Tiere neu zu denken.

In der Fleischfabrik Deutschland  wird aber im Rahmen der Massentierhaltung leider noch millionenfach qualvoll gelebt und getötet.

 

Gesetzliche Rahmenbedingungen und Massentierhaltungsrealität

Im deutschen Grundgesetz ist der Tierschutz als Staatsziel in Artikel 20a verankert. Dieser Artikel verpflichtet den Staat, die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung zu schützen.

Auch das Tierschutzgesetz in Deutschland ist laut §1 als Gesetz zu dem Zweck erlassen worden, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen.

In der Praxis scheint das aber nur für Hunde, Katzen, Pferde und gegebenenfalls noch für Kanarienvögel relevant zu sein. Tagtäglich wird gegen diese grundsätzlichen Gesetze verstoßen.

Tiere werden in der konventionellen Landwirtschaft häufig nur als reine seelenlose Nutztiere betrachtet und wie eine Massenware behandelt. Klein- und Bio-Bauern, die sich dem Tierwohl verpflichtet fühlen, erhalten leider auch durch eine verfehlte EU-Förderung zu wenig Unterstützung. 

Die gegenwärtige Art der Massentierhaltung und der Tiertransporte ist mit ethischen Normen einer christlich-humanen Gesellschaft nicht vereinbar. 

Laut Statistischem Bundesamt wurden 2024 in Deutschland 48,7 Mio. Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und 693,3 Mio. Hühner, Puten und Enten in Schlachthöfen getötet bzw. massakriert.  Insgesamt wurden damit im Jahr 2024 in Deutschland 742 Millionen Tiere geschlachtet. Ein massenhaftes Töten zum Dumpingpreis.

Ein Schwein kann bis zu 20 Jahren alt werden, lebt in der Massentierhaltung in der Regel aber nur 6 Monate ohne jemals das Tageslicht gesehen zu haben.

In der Massentierhaltung sind  laut der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt u.a. folgende Gräueltaten beobachtbar:

 

  • Verätzungen, Entzündungen und eitrige Lungen

  • Überzüchtung und Skelettschäden, Schlachtung im Kindesalter

  • Platz- und  Schlafmangel, Abtrennung von Schwänzen und Schnäbeln

  • Gegenseitiges Herausreißen von Federn

  • Mangelnde Betäubung bei der Schlachtung

 

Auch die zwangsgeschwängerten Milchkühe, denen zusätzlich ihre Kälber entrissen werden, fristen ein trauriges, nicht artgerechtes Leben. 

 

Tierwohl-Label

Neben zahlreichen Bio-Siegeln, inzwischen auch von Bioland, begegnet einem beim Einkauf in den großen Lebensmittelketten auch häufig das Tierwohl-Label.

Es gilt für Fleisch- und Milchprodukte und ist ein freiwilliges Tierwohl-Label, an dem sich im Februar 2024 etwa 13.200 Betriebe beteiligten. Etwa 90 Prozent der Hähnchen und Puten und 50 Prozent der Mastschweine werden inzwischen über dieses Label klassifiziert.

Haltungs-

form

alt

neu

Bemerkungen

1

Stallhaltung

Stall

Einhaltung unzureichender gesetzlicher Vorgaben

2

Stallhaltung Plus

Stall + Platz

Geringfügig mehr Platz

3

Außenklima

Frischluftstall

+ Frische Luft und Tageslicht

4

Premium

Auslauf/Weide

Auslauf im Freien + Stallplatz

5

 

Bio

Zertifizierte Bio-Haltung (u.a. ökologische Futtermittel)

 

Die neu eingeführte Stufe 5 “Bio“ (z.B. Bioland, Demeter, Naturland) steht für besonders hohe  Anforderungen für das Tierwohl und sollte bei Kaufentscheidungen Priorität haben, wenn man nicht ganz auf Fleischprodukte verzichten will. Gegebenenfalls bietet sich auch regionales Wildfleisch aus den Hofläden an.

Lediglich etwas mehr als 10% des Schweinefleischs stammt gegenwärtig aus den Haltungsformstufen 3, 4 und 5.  Zumindest bei den Haltungsformen 4 und 5 kann man  ernsthaft von einer Verbesserung der Tierwohlbedingungen sprechen. 

Im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die Massentierhaltung in großem Stil bisher eher unbedeutend aber auch hier sind die Regale voll mit „Billigfleisch“. 

Beim Fleischkonsum sollte man auch bedenken, dass Medikamente, die in der Massentierhaltung üblich sind, über den Nahrungskreislauf „mitgegessen“ werden. Durch den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast sind daneben  bereits bei manchen Menschen Resistenzen gefördert worden. Beim Fleischverzehr ist auf jeden Fall auch aus gesundheitlichen Aspekten weniger mehr. Eine vegane oder zumindest vegetarische Ernährungsweise ist hinsichtlich des Tierwohls aber konsequenter.

Wünschenswert wäre aus tierwohlorientierten, gesundheitlichen,  und ökologischen Gründen zumindest eine primäre Grundorientierung an der Regel „pflanzlich-saisonal-regional“.

Die Worte „Bio“ und „Öko“ sind in der EU gesetzlich geschützt. Die Hersteller werden jährlich überprüft, ob sie die hohen Standards erfüllen. Seit 1999 sind in der EG-ÖKO-Verordnung verbindliche Mindestanforderungen festgeschrieben, die seit 1999 auch bereits die artgerechte Tierhaltung mit einbeziehen. Die wohl bekanntesten Bio-Marken sind Bioland, Naturland und Demeter.

Beim Einkauf sollte man insbesondere auch die regionalen Kleinanbieter berücksichtigen.

 

Dr. Dietmar Kreikenbohm-Romotzky

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