Michael Müller (links) und Sören Jonas bei der Apfelernte in Kürten.
(Foto: Olga Voitovych)
Sylvie Feindt sammelt fleißig rosige Äpfel in ihrem Eimer. Das ist ihre erste Apfelernte mit dem Bergischen Obstwiesenrettern. Der Tag ist sonnig - perfektes Wetter zum Ernten. “Es war meine erste Ernte, und ich wusste nicht, was mich erwarten würde”, erzählt Sylvie, nachdem sie zahlreiche Eimer mit Äpfeln gefüllt hat. “Ich merkte schnell, dass die Ernte von Äpfeln, Birnen und Pflaumen sehr kurzweilig und unterhaltsam war. Die Eimer und Anhänger füllten sich bei gutem Herbstwetter und mit vielen Händen schnell. Eine tolle Truppe, mit der die Zeit wie im Flug vergeht.”
Neben Sylvie erntete unsere Stammhelferin Johanna Selle. Wir treffen sie regelmäßig bei anderen Aktionen, denn der Baumschnitt und die Baumpflege sind für sie von großer Bedeutung. “Die Erntezeit ist das Sahnehäubchen, weil ich von Apfelkuchen backen und essen nie genug bekomme”, sagt Johanna.
Ernte ohne Ende
Dieses Jahr gab es wirklich genug Äpfel, um Apfelkuchen zu backen - wir haben in unseren Obstwiesen mehr als 30 Tonnen geerntet. “Die Ernte ist für mich persönlich wie eine Sucht. Das macht total viel Spaß”, sagt Obstbaum-Experte Michael Müller. Er gibt jedoch zu: Diese Menge war eine echte Herausforderung. Aber zusammen mit Helfer:innen hat alles gut geklappt. “Wir haben einen festen Stamm von Menschen, fünf bis sechs Leuten, die ernten. Die Bufdis helfen mit, und wir machen auch Aufrufe für Erntehelfer:innen. Die sind ganz wichtig, weil man damit die Spitzen abdeckt. Um 30 Tonnen ernten zu können, braucht man die Ehrenamtler. Und je mehr Menschen, desto besser”, so Müller.
Einer, der sich gleich am Anfang der Ernte dem BUND angeschlossen hat, war Sören Jonas. Seit Mitte September leistet er seinen Bundesfreiwilligendienst. Er fühlt sich sehr mit der Natur verbunden und plant, in Zukunft in diesem Bereich zu arbeiten. Die Ernte war nicht seine erste, aber es gab etwas, das ihm besonders aufgefallen ist: “Mir ist die große Menge der Äpfel in Erinnerung geblieben”.
Viele Menschen haben dabei geholfen, die große Menge an Äpfel zu ernten. Auch in diesem Jahr waren unsere Kollegen und langjährigen Partner vom Ernährungsrat Bergisches Land aktiv dabei. Sie haben nicht nur geerntet, sondern auch Veranstaltungen organisiert, um die Bedeutung der regionalen Lebensmittel und den Wert der Erhaltung unserer Obstwiesen näherzubringen.
Regionale Delikatesse
Die Bedeutung der Apfel- und Birnenernte in lokalen Obstwiesen sei kaum zu überschätzen, sagt Michael Müller. Denn der Weg vom Obstwiesen in unsere Küchen ist so kurz wie möglich. Das heißt: Obst müssen nicht Tausende von Kilometern transportiert werden, zum Beispiel aus Neuseeland. Außerdem kann auf diese Weise etwa Geld für die weitere Finanzierung der Obstwiesenpflege verdient werden. Ebenso bedeutsam ist: Aus regionalem Obst werden ganz traditionelle Produkte hergestellt. “Es ist wichtig, die traditionelle, regionale Gerichte zu bewahren”, so Müller.
Die ersten Schritte in diese Richtung wurden bereits unternommen. So haben die Bergischen Obstwiesenretter in den letzten Jahren angefangen, neben Äpfeln für Saft und Tafelobst auch Birnen und Wildfrüchte zu ernten. Daraus lassen sich echte Köstlichkeiten zubereiten. So stellt beispielsweise unsere Helferin und Expertin für originelle Rezepte, Sabine Schiek, aus dem regionalen Superfood - Mispel - Konfitüre her. Und nicht nur das! In diesem Jahr stehen außerdem Marmelade, Likör, Apfelmus und gedörrte Apfelscheiben auf ihrer “Speisekarte”. “Ferner habe ich mich auch an neues heran gewagt, zum Beispiel Birnen- und Quitten-Senf. Außerdem habe ich Apfel-, Birnen- und Quitten-Chutney zubereitet”, sagt sie. Während der Erntezeit verwandelte sich ihre Küche in eine Mini-Konfitürenfabrik. Sabines Freunde haben ihr beim Kochen viel geholfen - sie tauschten Rezepte aus, experimentierten mit Ideen, schnitten Obst und kochten, kochten, kochten…
Derzeit ist Sabine Schiek gemeinsam mit Gabriele Lieberoth auf der Suche nach neuen Ideen, was man noch Originelles aus unseren Früchten und Beeren zubereiten kann. Gabriele erntet schon seit mehreren Jahren mit uns. Für sie ist das eine besondere Gelegenheit: “Ich darf für den Eigenbedarf etwas mitnehmen und habe somit Zugriff auf eine große Vielfalt. Es werden Rezepte für die Verarbeitung des Obstes ausgetauscht”.
Was ist als Nächstes zu erwarten?
Mehr Rezepte, mehr neue Ideen und Kombinationen, mehr Bewusstsein bei den Menschen, so Michael Müller. Er gibt einen kleinen Einblick in die Pläne für die Ernte im nächsten Jahr. Sabine Schiek bietet ihre kulinarischen Meisterwerke dieses Jahr auf einem Weihnachtsmarkt in Refrath an. Ein Teil der gesammelten Früchte wurde außerdem an Foodsharing und Lebensmittelretter weitergegeben. Wenn alles wie geplant verläuft, wird diese Zusammenarbeit im nächsten Jahr noch weiter ausgebaut. Zudem ist die Ernte neuer Früchte (z. B. Sanddorn) und die Herstellung neuer Produkte, vorgesehen. “Wir können noch besser werden, mehr informieren darüber, was wir machen, und mehr Menschen aktiv einbinden”, sagt Müller.
Die diesjährige Ernte ist vorbei. Unsere Helfer:innen denken aber bereits mit einem Lächeln an die nächste. “Die letzten Birnen und Äpfel liegen noch in den Steigen und es duftet nach Kuchen in der Küche», sagt Sabine Schiek. «Pläne für nächstes Jahr? Auf jeden Fall wieder Baumpflege auf den Streuobstwiesen, den Frühling und den Sommer zu feiern. Und dann wird wieder geerntet.”
Mehr über unsere Apfelernte in diesem Jahr erfahren Sie im Video hier.
Text: Olga Voitovych